Die Zeitschrift

Für Abonnenten

 

 

Dürr AG - Konzernabschluss zum 31.12.2008

Dürr ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten, Systemen und Dienstleistungen vorwiegend für die Automobilfertigung. Das Angebot umfasst wesentliche Fertigungsstufen eines Fahrzeugs: Als Systemanbieter plant und baut der Konzern Lackierereien und Endmontagewerke. Darüber hinaus liefert Dürr Reinigungs- und Filtrationsanlagen für die Produktion von Motoren- und Getriebekomponenten sowie Auswuchtsysteme und Produkte für die Endmontage.

Der Konzernumsatz überstieg 2008 mit 1,604 Mrd. € den Vorjahreswert um 8,5 %. 24,7 % der Erlöse stammten aus dem stetig wachsenden Service-Geschäft. Die Vertriebskosten stiegen 2008 unterproportional zum Umsatz. Die absoluten Verwaltungskosten gingen trotz steigender Lohnkosten sogar zurück. Durch nachhaltiges Kostenmanagement erhöhte sich die Summe aus Vertriebs- und Verwaltungskosten um 1,2 % und damit deutlich langsamer als der Umsatz, folglich sank der Anteil am Umsatz von 12,4 % auf 11,5 %. Die Forschungs- und Entwicklungskosten wurden entsprechend der Strategie „Dürr 2010“ um 24,7 % auf 25,5 Mio. € gesteigert, um die technologische Position zu verbessern. Die sonstigen betrieblichen Ertrage und Aufwendungen beeinflussten die Ertragslage 2008 in deutlich geringerem Umfang als in den Vorjahren. Mit –3,5 Mio. € war der Saldo negativ, nachdem im Vorjahr ein positiver Saldo von 18,0 Mio. € zu Buche stand. Ein Buchgewinn in Höhe von 3,9 Mio. € resultierte aus der Veräußerung von Anlagevermögen. Dem stand ein negativer Saldo von –4,1 Mio. € aus der Währungsumrechnung gegenüber. Das EBITDA erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreswert um 18,5 % auf 87,1 Mio. €. Das EBIT erreichte 72,7 Mio. €, ein Zuwachs von 30,4 %. In der Ergebnisrechnung haben sich 2008 zwei Sondereffekte nahezu ausgeglichen. Daher ist das EBIT vollständig mit dem Vorjahr vergleichbar. Zur Redimensionierung des Geschäfts in der Endmontage-Fordertechnik wurden vor allem in Frankreich und den USA Kapazitätsreduzierungen eingeleitet. Insgesamt fielen Restrukturierungsaufwendungen von 3,3 Mio. € an. Ihnen stand ein Ergebnis aus außerplanmäßiger Abschreibung/Zuschreibung in Höhe von 4,7 Mio. € gegenüber, das vorwiegend durch eine Wertaufholung beim Schenck Technologie- und Industriepark in Darmstadt geprägt war. Gründe für die Wertaufholung waren der hohe und langfristig kontrahierte Vermietungsstand und die nachhaltig gute Ertragslage; beides lag deutlich über dem Niveau zum Zeitpunkt der Abschreibung im Jahr 2005. Die jährliche Werthaltigkeitsprüfung der Vermögenswerte (Impairment-Test) ergab einen unwesentlichen Abschreibungsbedarf in Hohe von 0,2 Mio. €. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich aufgrund eines einmaligen Refinanzierungsaufwands nur um 11,6 Mio. € auf 46,4 Mio. €. Allerdings stand diesem Aufwand (9,4 Mio. €) ein einmaliger Steuerertrag gegenüber. Der Steuerertrag resultierte aus der Aktivierung bestehender steuerlicher Verlustvortrage im Inland. Gemäß den IFRS müssen aktive latente Steuern auf steuerliche Verlustvortrage gebildet werden, wenn die Geschäftseinheiten nachhaltige Gewinne erzielen und die Ertragsaussichten positiv sind. Diese Aktivierung führte zu einem Ertrag von insgesamt 6,4 Mio. €, so dass der Steueraufwand nur 12,7 Mio. € betrug. Die Steuerquote für 2008 lag daher nur bei 27 %. Verluste ausländischer Tochtergesellschaften wirkten sich negativ auf die Steuerquote aus, da hier keine aktiven latenten Steuern gebildet werden konnten. In den fortgeführten Aktivitäten erhöhte sich das Ergebnis nach Steuern um 59 % auf 33,7 Mio. €. In den nicht fortgeführten Aktivitäten wurde eine Steuerrückstellung in Hohe von 12,2 Mio. € zahlungsunwirksam aufgelöst, die beim Verkauf einer Tochtergesellschaft im Jahr 2005 gebildet worden war. Dadurch stieg das Ergebnis nach Steuern der nicht fortgeführten Aktivitäten auf 12,6 Mio. € (Vorjahr: 1,0 Mio. €). Folglich ergab sich im Konzern ein Ergebnis nach Steuern von 46,3 Mio. € (Vorjahr: 22,2 Mio. €).

Der Cash-flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit war mit 30,9 Mio. € deutlich positiv, im Vorjahresvergleich ging er aber trotz der besseren Ertragslage zurück. Eine wesentliche Ursache waren Projektverschiebungen von Kunden im vierten Quartal. Sie bewirkten, dass eingeplante Anzahlungen ausblieben, die sich positiv im Net Working Capital niedergeschlagen hatten. Dies trug dazu bei, dass das Net Working Capital trotz des höheren Forfaitierungsvolumens anstieg und den Cash-flow belastete. Zudem stiegen infolge des erhöhten Geschäftsvolumens auch die Vorräte und die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an. Im Zinsergebnis war der einmalige Aufwand für die Refinanzierung enthalten. Die größten Einzelposten in der Position „Sonstige“ waren das Ergebnis aus dem Abgang von Anlagevermögen in Hohe von 3,9 Mio. € sowie die Veränderung der übrigen Forderungen und Vermögenswerte. Der Cash-flow aus der Investitionstätigkeit betrug –2,6 Mio. € (Vorjahr: –11,2 Mio. €). Mit 10,8 Mio. € erreichten die Investitionen in Sachanlagen genau das Vorjahresniveau. Die Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstande sanken auf 8,3 Mio. €. Sie flossen hauptsachlich in die Fortsetzung der Implementierung des ERP-Systems. Ihr Rückgang entsprach dem Projektfortschritt. Der Cash-flow aus der Finanzierungstätigkeit betrug –96,1 Mio. € (Vorjahr: –21,9 Mio. €) und wurde einerseits durch Zinsausgaben in Hohe von 30,7 Mio. € und andererseits durch die Ausgaben für den Teilruckkauf der Unternehmensanleihe geprägt. Positiv wirkte sich der Mittelzufluss aus der Kapitalerhöhung aus. Auch die aktivierten Transaktionskosten für den neuen syndizierten Kredit, die zu einem Mittelabfluss führten, schlugen sich im Cash-flow aus der Finanzierungstätigkeit nieder. 2008 war der Free Cash-flow mit –14,5 Mio. € leicht negativ. Die größte Einzelposition in den „Sonstigen Zahlungsströmen“ war der Zufluss aus der Kapitalerhöhung in Hohe von 43,7 Mio. €. Einschließlich dieser Mittel verringerte sich die Nettofinanzverschuldung um weitere 27,4 Mio. €. Vor allem aufgrund des Teilrückkaufs der Unternehmensanleihe verringerten sich die flüssigen Mittel zum 31.12.2008 um 63,1 Mio. € auf 84,4 Mio. €. Entsprechend sanken die Finanzverbindlichkeiten um 92,0 Mio. € auf 122,6 Mio. €. Die Nettofinanzverschuldung verringerte sich infolge der Kapitalerhöhung auf 34,4 Mio. € am Jahresende 2008, gegenüber dem Bilanzstichtag 2007 bedeutet dies eine weitere Reduktion um 27,4 Mio. €.

Die Bilanzsumme erhöhte sich zum 31.12.2008 um 13,2 Mio. € auf 1,088 Mrd. €. Dazu trugen zum einen das gestiegene Geschäftsvolumen und der damit verbundene Aufbau der Vorräte und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bei, zum anderen der Mittelzufluss aus der Kapitalerhöhung. Dagegen wirkte sich der Teilrückkauf der Unternehmensanleihe mindernd auf die Bilanzsumme aus. Die aus Unternehmenskaufen resultierenden Geschäfts- oder Firmenwerte (Goodwill) betrugen am Bilanzstichtag 266,0 Mio. € und machten damit 60 % der langfristigen Vermögenswerte aus. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2008 bei 31,4 % (31.12.2007: 23,9 %). Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen stiegen um 36,4 Mio. € auf 372,2 Mio. €, was auf höhere erhaltene Anzahlungen im Jahresvergleich zurückzuführen war. Der überproportionale Anstieg der Vorräte und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen war eine Folge des gestiegenen Geschäftsvolumens. Er führte dazu. Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte sanken in den beiden Unternehmensbereichen von 26,0 Mio. € auf 19,0 Mio. €. Der Grund für den Rückgang war, dass der Großteil der Investitionen in die IT-Harmonisierung bereits 2007 getätigt wurde. Während die Ausgaben für Software und Lizenzen vorwiegend 2007 stattfanden, fielen die Implementierungskosten bis in das aktuelle Geschäftsjahr an. Neben den IT-Investitionen hatte Dürr 2008 vor allem Erhaltungs- und Ersatzinvestitionen vorgenommen. Die Sachanlageninvestitionen blieben mit 10,8 Mio. € unverändert und entfielen zu rund 50 % auf Betriebs- und Geschäftsausstattung. Der Grund für den Anstieg der Investitionen im Corporate Center (Dürr AG) war die Aktivierung von Transaktionskosten für den neuen syndizierten Kredit. In der Kapitalflussrechnung sind diese Transaktionskosten im Cash-flow aus der Finanzierungstätigkeit enthalten. Bei planmäßigen Abschreibungen von 19,2 Mio. € (Vorjahr: 17,9 Mio. €) ergab sich eine Investitionsdeckung von 79 % (Vorjahr: 68 %). Unter Berücksichtigung des Ergebnisses aus außerplanmäßiger Abschreibung/Zuschreibung von 4,7 Mio. € (Vorjahr: 0,1 Mio. €) betrug die Abschreibungssumme 14,4 Mio. € (Vorjahr: 17,8 Mio. €) und die Investitionsdeckung 59 % (Vorjahr: 67 %).

 

2006

2007
vH

2008

Eigenkapitalquote

24

24

31

Anlagendeckungsgrad 2

127

129

119

Liquidität zweiten Grades

133

129

115

Eigenkapitalrendite

3

9

12

Umsatzrendite

1

1

3

Dipl.-Vw. Christoph Schlienkamp, Bankhaus Lampe, Düsseldorf

Kostenloses Probeabo

 

Jetzt 4 Ausgaben kostenlos testen