Themenvorschau

Die nachstehenden Beiträge sind für die nächsten Ausgaben der AG vorgesehen. Die Auflistung entspricht nicht zwingend der Reihenfolge des Erscheinens.
 

Kuntz, Thilo, Leitungsverantwortung des Vorstands und Delegation
§ 76 Abs. 1 AktG schreibt dem Vorstand die Aufgabe zu, die Gesellschaft unter eigener Verantwortung zu leiten. Die h.M. differenziert hieran anknüpfend zwischen Leitungsaufgaben und bloßen Geschäftsführungsaufgaben. Anders als letztere seien Leitungsaufgaben nicht delegierbar. Der Beitrag geht von der These aus, dass ein solches Delegationsverbot nicht existiert. Für die Aufrechterhaltung von Leitungsverantwortung genügt es, die dem Grundsatz nach stets zulässige Delegation an ein ausreichend gehaltvolles Pflichtenprogramm zu knüpfen. Einer besonderen Kategorie der "Leitung" im Unterschied zur Geschäftsführung bedarf es nicht.

Quick, Reiner / Sánchez Toledano, Daniel / Sánchez Toledano, Joaquín, Lehren aus dem Wirecard-Skandal: Ist eine Verschärfung der externen Prüferrotation zweckmäßig?
Als Folge des Wirecard-Skandals werden Reformen der Abschlussprüfung diskutiert, u.a. auch strengere Regeln zur externen Rotation des Abschlussprüfers. Die externe Pflichtrotation könnte die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers stärken, weil sie die Gefahr persönlicher Vertrautheit und die wirtschaftlichen Interessen des Abschlussprüfers reduziert. Auf der anderen Seite gehen aber mandantenspezifische Informationen verloren, sodass eine Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Vor diesem Hintergrund beleuchtet der Beitrag die Ergebnisse der einschlägigen Forschung, die jedoch sehr gemischt sind und daher nicht eindeutig für einen Prüferwechsel sprechen. Viele Studien zeigen, dass die Prüfungsqualität mit der Dauer des Mandats steigt. Einzelne Befunde deuten aber auch darauf hin, dass sich dieser Zusammenhang bei einer langen Prüfer-Mandanten-Beziehung umkehrt, d.h. die Prüfungsqualität dann wieder abnimmt.

Favoccia, Daniela / Link, Simon Patrick / Siepelt, Stefan, Aufsichtsratsstudie 2020 - Verbesserungspotenzial in Krisensituationen insbesondere bei nicht börsennotierten Unternehmen
Die meisten Aufsichtsräte sehen sich für Krisensituationen gut gerüstet - auch in der momentanen Pandemie. Doch insbesondere in nicht börsennotierten Unternehmen gibt es durchaus Raum für Verbesserungen in vielen Aufsichtsräten - wie eine von Hengeler Mueller gemeinsam mit dem Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat durchgeführte empirische Untersuchung zeigt.

Mutter, Stefan, Geschlechterbalance oder Frauenförderung in der EU?
Nach den Planungen der Europäischen Union steht der Vorschlag für eine "Richtlinie des Europäische Parlaments und des Rats zur Gewährleistung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern unter den nicht geschäftsführenden Direktoren/Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter Gesellschaften und über damit zusammenhängende Maßnahmen" mal wieder auf der Agenda der Ratssitzung am 3.12.2020 unter deutscher Führung. Der Beitrag zeigt auf, dass das Europäische Parlament und der Rat an einer Weggabelung zwischen Frauenförderung und Geschlechterbalance stehen. Wortlaut und Zielsetzung des Richtlinienentwurfs laufen in verschiedene Richtungen und dies ohne jedes (jedenfalls öffentliche) Bewusstsein der Beteiligten, dass der bisherige Wortlaut auch zu einer Entscheidung zwischen Geschlechterbalance und Frauenförderung zwingt bzw. Änderungen nötig sind.